Gefahren am Hang - Schutz vor Massenbewegungen
Protection against mass movements

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Heft 175, Juli 2015, 79. Jahrgang

Holen Sie sich einen Kleinen Einblick aus unserem Aktuellem Journal

Sausgruber Thomas , Engl Daniela Anna , Riedl Florian , Anegg Johannes , Troyer Lienhart , Hofmann Robert

Die Großhangbewegung Kerschbaumsiedlung – Gefahrenprozess und Schutzkonzept

In der Kerschbaumsiedlung in Navis (Tirol), sind 12 der 84 Wohnhäuser durch Hangbewegungen

beschädigt. Aus den bisher vorliegenden Untersuchungs- und Monitoringdaten ist bekannt,

dass die Siedlung auf einem lockergesteinsartigen Schuttstrom liegt, welcher seinerseits auf einer

großen, tiefgründigen Felsgleitung lagert. Die gemessenen jährlichen Verschiebungen des Schuttstroms

liegen zwischen 1 und 4 cm, die Bewegungsbahnen in 16 und 37 m Tiefe. Die Hangbewegungen

beschränken sich ausschließlich auf den Schuttstrom; aus der unterlagernden Felsgleitung

sind bislang keine Bewegungen bekannt. Die Untergrunderkundungen ergaben weiters, dass der

Schuttstrom und der Fels darunter teilweise stark wasserführend sind. Das Wasser im Fels ist abschnittsweise

sogar gespannt und drückt von unten gegen die Basis des Schuttstroms.

Aufbauend auf dem ingenieurgeologischen und geotechnischen Modell des Hanges

wurden nun Maßnahmen für ein 10-jähriges Schutzprojekt, welche zur Verringerung der Bewegungen

führen und die weitere Bewohnbarkeit der Häuser sicherstellen sollen, ausgearbeitet.

Diese Maßnahmen beinhalten im Wesentlichen Vertikalbrunnen zur Tiefenentwässerung

des Schuttstroms, subhorizontale Entwässerungsbohrungen zur Entlastung des gespannten

Wassers im Fels, ein Kraftwerk zur Bereitstellung von Energie für die Pumpen, seichtgründige

Drainagierungen von Feuchtwiesen und flächenwirtschaftliche Maßnahmen.

The Kerschbaumsiedlung landslide – hazard and mitigation concept

In the last decade, slope movements damaged 12 of totally 84 residential houses at the

Kerschbaum settlement close to Navis village in Tyrol. Subground investigations and monitoring

revealed, that the settlement lies upon a slowly moving earth slide, which itself rests on a deepseated

rockslide. The measured annual surface displacements of the earth slide range from 1

to 4 cm. The displacement depth was located by inclinometer measurements in 16 and 37 m

depth, respectively. The slope movements are restricted to the earth slide, while the underlying

rockslide does not show any signs of movement. Hydrological investigations indicate that both

the earth slide and the underlying rockslide are locally strongly water-bearing. In the rockslide,

the water is even partially confined causing an upward pressure against the earth slide base.

Based on a comprehensive engineering and geotechnical model, mitigation measures

have been planned, that are now going to be realized stepwise within a ten year project. These

mitigation measures include an assembly of vertical drainage wells to drain the earth slide,

sub-horizontal drainage wells to release the confined water in the underlying rockslide, a small

power plant delivering energy for the pumps, drainage ditches, and forestry measures.

Bei Fragen zu diesem Artikel wenden Sie sich bitte direkt an den Autor:
Ing. Mag. Dr. Sausgruber Thomas
Forsttechnischer Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung, Geologische Stelle
Wilhelm Greil Strasse 9
6020 Innsbruck
Mag Dr. Engl Daniela Anna
Forsttechnischer Dienst für Wildbachund Lawinenverbauung, Stabstelle Geologie
Wilhelm Greilstraße 9
6020 Innsbruck
DI Mag. Riedl Florian
Forsttechnischer Dienst für Wildbachund Lawinenverbauung, GBL Mittleres Inntal
Josef Wilbergerstr. 41
6010 Innsbruck
DI Anegg Johannes
Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Geoinformation
Herrengasse 1
6020 Innsbruck
DI Troyer Lienhart
TRIGONOS ZT GmbH
Hermann-von-Gilm-Straße 5
6130 Schwaz
Priv. Doz. Dipl. Ing. Dr. Hofmann Robert
ZT Büro Hofmann Dr. Hofmann
Hochstraße 17
2380 Perchtoldsdorf