Modellierung von Naturgefahren-Prozessen
Modeling of natural hazard processes

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Heft 169, September 2012, 76. Jahrgang

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Schriftleiter Der

Editorial

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, der Ablauf von Hochwasser, Muren, Lawinen, Steinschlag und Rutschungen – technisch als Naturgefahrenprozesse bezeichnet – lässt sich heute mit komplexen, numerischen Modellen auf dem Computer simulieren. Die Ergebnisse dieser Simulationen werden in „bunten Karten“ attraktiv präsentiert oder vermitteln als bewegte Animationen auf dem Bildschirm den realitätsnahen Eindruck. Prozessmodelle unterstützen das Vorstellungsvermögen der betroffenen Bevölkerung und erheben den Anspruch hoher Ergebnisgenauigkeit und technologischer Qualität. Aus diesen und vielen anderen Gründen stellt die Simulation von Naturgefahrenprozessen heute – teileweis zu Recht – den „Stand der Technik“ der Gefahrenanalyse dar. Das erregt häufig die Skepsis „alter Praktiker“. Es war daher eine große Herausforderung für mich, das erste Heft nach der Übernahme der Herausgeberschaft Schriftleitung einen Schwerpunkt zu diesem spannenden und kontroversiellen Thema zu widmen. Der Anspruch war, Beiträge zu allen relevanten Naturgefahrenprozessen, über wissenschaftliche Grundlagen von Modellen genauso wie über die Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung sowie von Befürwortern und Skeptikern der Simulation in gleicher Weise zu erhalten. Die Erwartung war zwiespältig, umso überwältigender ist der Rücklauf. Autoren aus Österreich, Schweiz und Deutschland sowie aus allen möglichen Fachbereichen haben es geschafft, dieses Thema tatsächlich (fast) erschöpfend abzudecken. So ist es gelungen, dem Leser auf etwas mehr als 300 Seiten eine vollständigen Überblick über den Stand des Wissens und der Technik der Prozessmodellierung für hydrologische und gravitative Naturgefahren und zudem noch einen vielfältigen Eindruck über die Erfahrungen der Ingenieurpraxis mit der Modellanwendung zu geben. Das Heft begleitet die intensive Innovationstätigkeit der Wildbach- und Lawinenverbauung in Österreich in den Fachbereichen „Wildbachprozesse“, „Schnee- und Lawinen“ und „Geologie“ bezüglich der Prozessmodellierung. Was diese Publikation nicht leisten kann, ist jemandem seine „Modellgläubigkeit“ zu nehmen oder fundamentale Skeptiker vom Mehrwert der numerischen Simulation zu überzeugen. Allerdings werden Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, nach Lektüre der hervorragenden Beiträge ein Gefühl dafür entwickelt haben, welche Teile der Wirklichkeit Prozessmodelle heute simulieren können und welche uns dennoch verborgen bleiben. Sie werden einen Überblick über alle Dimensionen der Modellierung – von der einfachen Faustformel bis zum empirischen Labormodell – erhalten. Und sie werden ein wenig besser verstehen, was wirklich hinter der Modellgenauigkeit steckt … oder wie hat es doch ein italienischer Universitätsprofessor seinerzeit bei einer Tagung in Nizza ausgedrückte: Modellgenauigkeit 10 % - Das Modell ist falsch! Modellgenauigkeit 30 % - Ungenaue Darstellung der Realität! Modellgenauigkeit 60 % - Das Modell entsprich der Wirklichkeit! Modellgenauigkeit 90 %: Der Modellierer lügt! Ich wünsche ihnen viel Freude in der virtuellen Realität der Naturgefahrenprozesse, Ihr Dr. Florian Rudolf-Miklau

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