Visionen im Lawinenschutz
Avalanche Protection - Visions

Uploaded Picture
Heft 179, Juli 2017, 81. Jahrgang

Holen Sie sich einen Kleinen Einblick aus unserem Aktuellem Journal

Schmidtner Korbinian , Sailer Rudolf , Fellin Wolfgang , Fischer Jan-Thomas , Granig Mathias , Höferl Karl-Michael

Praktische Anwendung von Lawinensimulationen – der Faktor Mensch

In den letzten Jahren haben sich Lawinensimulationsmodelle als ein Standardinstrument im

modernen Gefahrenmanagement etabliert. Mit ihnen lassen sich Aussagen über die räumlichen

Ausmaße und Intensitäten einer Lawine treffen. Lawinenmodelle repräsentieren wie alle

Modelle in vereinfachter Weise die Realität, wobei bestimmte Aspekte des zu betrachtenden

Systems berücksichtigt und andere vernachlässigt werden. Maßgeblich ist das Ergebnis

abhängig von der zugrundeliegenden Modelltheorie, deren Implementierung, den Eingangsvariablen

und Randbedingungen, welche alle mit gewissen Unsicherheiten behaftet sind.

Angesichts dieser Unsicherheiten müssen die Ergebnisse solcher Simulationen eingehend analysiert

werden, um nützliche Informationen über den Prozessbereich der Lawine zu gewinnen.

Insbesondere die Wahl der Eingangsvariablen und die Umsetzung der Ergebnisse unterliegt

individuellen subjektiven Kriterien. Daher ist es äußerst interessant den Simulationsprozess

aus der Sicht der Anwenderinnen und Anwender zu betrachten. Zu diesem Zwecke wurde

im Rahmen des Projektes bDFA eine internationale Online-Umfrage unter Lawinenexperten

durchgeführt. Aus der Umfrage lässt sich folgende Diskrepanz erkennen: Eingangsparametern

werden relativ große Unsicherheiten mit mäßig bis starkem Einfluss auf das Simulationsergebnis

zugeschrieben, aber gleichzeitig werden die betreffenden Ergebnisse als recht verlässlich

erachtet. Hier kommt die Bedeutung des Gesamtprozesses einer Simulation zum Ausdruck.

Es werden demnach verschiedene Annahmen und Szenarien getestet, woraufhin die Ergebnisse

unter Zuhilfenahme zusätzlicher Informationen abgeglichen werden. Das Endresultat

dieses komplexen Prozesses erscheint dann als plausibles Simulationsergebnis. Weiters wurde

in der Online-Umfrage abgefragt, welche Lawinendrücke die Experten für ein Bauwerk aus

den in einem Praxisbeispiel enthaltenen Simulationsgerbnissen ableiten. Die Interpretation

der Befragungsergebnisse lässt den Schluss zu, dass diese als Belastungen für das Bauwerk

angegebenen Drücke stark an die jeweiligen national geltenden Druckbereiche, welche den

Gefahrenzonen zugrunde gelegt werden, ausgerichtet wurden.

Application of avalanche simulation models – the human factor

In recent years, numerical avalanche simulations have become a standard approach for

modern hazard management. They allow an estimation of the spatial extend as well as of

the intensity of an avalanche. Avalanche models are a simplified representation of the real

phenomenon as every other model, i.e. certain aspects or effects are modelled others are

neglected. The result of an avalanche simulation depends on the underlying model theory, its

numerical implementation, the input variables and boundary conditions, which are all subject

to certain errors and uncertainties. According to these uncertainties, model users are in charge

to draw useful information on the avalanche process from their simulations. Hence, it seems

worthwhile to have a closer look at the simulation strategy from the application point of view.

For that reason, an international online survey among avalanche experts has been conducted

within the framework of the bDFA project. From that survey, a discrepancy could be identified.

Model input parameters are considered to show high uncertainties and a fairly strong influence

on the model result. However, the results are considered to be reliable. This finding highlights

the importance of the simulation strategy and the way how the experts employ simulations.

The credibility of the simulations is the result of a comprehensive study, where simulations

with different assumptions are computed and the various model results are compared with

supplemental data. Furthermore, the survey posed the question on the avalanche pressure

acting on a building, which the experts should determine from a practical example with three

different simulation results. It seems that the resulting pressures are aligned to the pressure

limits of the national hazard maps more than to the simulation model results.

Bei Fragen zu diesem Artikel wenden Sie sich bitte direkt an den Autor:
MSc Schmidtner Korbinian
Universität Innsbruck, Institut für Geographie
Innrain 52
6020 Innsbruck
Mag. Dr. Sailer Rudolf
Institut für Naturgefahren und Waldgrenzregionen, Schnee- und Lawinenkunde
Hofburg 1
6020 Innsbruck
ao. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Fellin Wolfgang
Universtität Innsbruck, Institut für Infrastruktur, Arbeitsbereich für Geotechnik und Tunnelbau
Technikerstr. 13
6020 Innsbruck
Dr Fischer Jan-Thomas
Bundesforschungszentrum für Wald (BFW)
Rennweg 1
6020 Innsbruck
Dipl.-Ing. Granig Mathias
WLV Stabstelle für Schnee und Lawinen
Wilhelm Greil Strasse9
6020 Innsbruck
Dr. Höferl Karl-Michael
Universität Innsbruck, Institut für Geographie
Innrain 52
6020 Innsbruck